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KRIBIBI-Umfrage zur Zufriedenheit mit der beruflichen Situation bei BibliotheksmitarbeiterInnen beendet

Liebe Kolleginnen und Kollegen! 

Die Umfrage des Arbeitskreises kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare ist abgeschlossen, genau 222 Fragebögen (+ 5 nach Ende der Auswertung) sind bis zum 20.06.2012 eingetroffen. Wir bedanken uns bei allen EinsenderInnen für ihre Mitarbeit!

Inhalt:

- Zusammenfassung
- Details
- Persönliche Anmerkungen

Zusammenfassung

Mehr als 200 Antworten sehen wir als großen Erfolg, dennoch kann damit ein repräsentatives Bild der Wirklichkeit nicht gezeichnet werden. Besonders die doch eher gering ausgefallene Beteiligung von ehrenamtlichen BibliothekarInnen (bei einer Zahl von etwa 7.000) lässt darauf schließen, dass diese KollegInnen entweder über bibliothekarische Kanäle nur schwer zu erreichen sind oder sich auf Grund ihrer besonderen Arbeitssituation für allgemeine Bibliotheksfragen nicht so stark interessieren.

Trotz dieser notwendigen Einschränkungen lassen sich durchaus einige Trends aus dem Ergebnis herauslesen. Dass unser Beruf weiblich dominiert ist, ist niemandem neu, vielleicht überrascht die Deutlichkeit der Zahlen aber doch. Interessant ist das nahezu ausgeglichene Verhältnis bei den Fachbibliotheken, während sich der Prozentsatz von Frauen an wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken nicht gravierend unterscheidet.

Sehr deutlich ist die Aussage, dass sich von den 42 ehrenamtlich arbeitenden KollegInnen immerhin über 90% einen bezahlten Arbeitsplatz in der Bücherei wünschen. Allen Hochrufen auf die Freiwilligkeit der Ehrenamtlichen wird damit die Atemluft entzogen – Ehrenamtliche haben einfach keine andere Chance! Dass dieser Arbeitsplatz eher in Teilzeit gewünscht wird, hängt sicher mit der nach wie vor ungleichen Verteilung von Haus– und Pflegearbeit zwischen Männern und Frauen zusammen.

Nach Ende der Auswertung sind noch fünf Antworten von ehrenamtlichen Bibliothekarinnen (alle weiblich) eingetroffen. Diese konnten zwar für die Berechnungen nicht mehr berücksichtigt werden, bestätigen aber alle die obigen Aussagen: Sie arbeiten 28 Stunden für die Bücherei und hätten alle gerne einen bezahlten Arbeitsplatz (3 in Vollzeit, 2 in Teilzeit mit 20 Std.).

Auch die nebenberuflich für die Bibliothek Arbeitenden würden gerne sehr viel mehr Zeit in die Büchereiarbeit stecken als ihnen ermöglicht wird – einen gewissen Teil davon leisten sie in ihrer Freizeit ohne Bezahlung. Und genau die Hälfte würde überhaupt am liebsten zur Gänze als BibliothekarInnen arbeiten.

Bei den hauptberuflich tätigen KollegInnen müssen wir uns für das Fehlen einer wichtigen Frage entschuldigen: Nicht gefragt wurde nach allfälliger zusätzlicher ehrenamtlicher Arbeit über die bezahlte Arbeitszeit hinaus. Aus den Anmerkungen lässt sich allerdings herauslesen, dass es dieses Phänomen sehr wohl gibt. Alle betroffenen KollegInnen mögen uns verzeihen – es ist unser erster Fragebogen.

Erstaunt hat uns hier die große Anzahl von Teilzeitbeschäftigten, wobei der Anteil von Frauen an dieser Gruppe (über 90%) wahrlich mehr als erschreckend ist. Da ist es kein Wunder, dass 70% der teilzeitbeschäftigten Frauen von ihrer Arbeit den Lebensunterhalt nicht bestreiten können, also entweder einen zweiten Job brauchen oder auf Versorgung durch andere Personen angewiesen sind.

Auch aus wissenschaftlichen und Fachbibliotheken sind nicht sehr viele Antworten zurückgekommen. Vielleicht hängt dies damit zusammen, dass KRIBIBI im Bereich der öffentlichen Büchereien einfach besser bekannt ist. Höchste Zeit, dies zu ändern! Die Ergebnisse weisen jedenfalls ebenfalls auf Handlungsbedarf hin.

Bibliotheksarbeit gehört sicher zu den schönen und angenehmen Berufen, die in Österreich herrschenden Bedingungen allerdings sind alles andere als optimal. Die Ergebnisse der Umfrage – so wenig repräsentativ sie auch sein mögen – sollten daher für alle InteressensvertreterInnen der österreichischen Bibliotheken und BibliothekarInnen wie auch politische EntscheidungsträgerInnen Anlass sein, sich über eine Verbesserung des österreichischen Bibliothekswesens rasch und intensiv Gedanken zu machen. Allerdings wird es auch erforderlich sein, dass wir BibliothekarInnen uns mehr als bisher selbst stark machen und eine positive Entwicklung einfordern!

Details

Von den über diverse bibliothekarische Listen und Blogs ausgeschickten Fragebögen kamen genau 222 ausgefüllt retour. Ein Fünftel stammt von Männern, vier Fünftel von Frauen. Der größte Anteil (knapp 80%) kommt aus öffentlichen Büchereien, knapp 20% aus wissenschaftlichen Bibliotheken, nur 7 Stück aus Fachbibliotheken, weshalb diese in weiterer Folge immer den wissenschaftlichen Bibliotheken zugeschlagen werden.

Grafik 1
Retour gesamt: 222 Fragebögen männlich: 45 (20,3%) weiblich: 177 (79,3%)

Grafik 2

Grafik 2
ÖB 173 Bögen (77,9%) männlich: 30 (17,3%) weiblich: 143 (82,7%)
WB 42 Bögen (18,9%) männlich: 12 (28,6%) weiblich: 30 (71,4%)
FB 7 Bögen (3,2%) männlich: 3 (42,9%) weiblich: 4 (57,1%)

Öffentliche Büchereien: gesamt 173 Bögen

(+5 nach Ende der Auswertung, siehe Zusammenfassung)

Bei den öffentlichen Büchereien machen Antworten hauptberuflich Beschäftigter den Löwenanteil aus. Etwa ein Viertel trugen ehrenamtliche MitarbeiterInnen bei (obwohl die weitaus größte Gruppe), ein Zehntel kommt von nebenberuflichen BibliothekarInnen.

Grafik 3

Grafik 3
EA 42 (24,3%) männlich: 3 (7,1%) weiblich: 39 (92,9%)
NB 18 (10,.4%) männlich: 2 (11,1%) weiblich: 16 (88,9%)
HB 113 (65,3%) männlich; 25 (22,1%) weiblich: 88 (77,9%)

Ehrenamtliche MitarbeiterInnen: 42

(+5 nach Ende der Auswertung, siehe Zusammenfassung)

Öffentliche Büchereien könnten ohne ehrenamtliche MitarbeiterInnen nicht überleben, allerdings beweist die hohe Zahl derer, die sich einen bezahlten Arbeitsplatz wünschen (über 90%), dass freiwillige Arbeit eher geleistet wird, weil es keine andere Chance gibt, als aus freier Entscheidung. Für diese Interpretation spricht auch der Wunsch nach mehr (bezahlter!) Arbeitszeit. Nur 4 Ehrenamtliche wollen auch weiterhin ehrenamtlich arbeiten, 2 davon wünschen sich aber mehr Stunden.

Grafik 4

Grafik 4
Durchschnittliche Arbeitszeit: 7,4 Std. (Bandbreite 130 Std.)
Gewünschte (bezahlte!) Arbeitszeit: 21,3 Std. (Bandbreite 240 Std.)

Grafik 5

Grafik 5
Von 42 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen wünschen sich 38 (90,5%) einen bezahlten Arbeitsplatz in der Bibliothek (9,5 nicht),

Grafik 6

Grafik 6
davon 8 (19%) in Vollzeit, 34 (81%) in Teilzeit.

Nebenberufliche MitarbeiterInnen: 18

Manche Gemeinden, die eine Bücherei führen, lassen diese von einer/einem Gemeindebediensteten nebenher betreuen. Nach Meinung dieser BibliothekarInnen ist allerdings die gewährte Arbeitszeit von durchschnittlich sieben Stunden pro Woche viel zu kurz, gewünscht würden 24 Stunden Zeit für die Bücherei.

Grafik 7

Grafik 7
Durchschnittliche Arbeitszeit für die Bibliothek: 7,3 Std. (Bandbreite 120 Std.)
Gewünschte Arbeitszeit für die Bibliothek: 24 Std. (Bandbreite 835 Std.)

55% der nebenberuflich für die Bibliothek arbeitende MitarbeiterInnen leisten zusätzlich ehrenamtliche Arbeit für die Bibliothek. Die Hälfte der Nebenberuflichen hätte Bibliotheksarbeit gerne als Vollzeitjob.

Hauptberufliche MitarbeiterInnen: 113

Von hauptberuflich arbeitenden BibliothekarInnen ist die größte Menge an Antworten gekommen, wobei besonders die Büchereien Wien und die Stadtbücherei Linz prominent vertreten sind. 40% Teilzeitbeschäftigte ist ein ziemlich hoher Wert, der Anteil der Frauen daran aber extrem. Etwas mehr als 25% der teilzeitbeschäftigten BibliothekarInnen hätten gerne einen Vollzeit-Arbeitsplatz, 75% wollen/müssen teilzeitbeschäftigt bleiben. Auf jeden Fall aber hätten diese KollegInnen gerne mehr Arbeitsstunden. Nachdenklich stimmt auch die Tatsache, dass knapp 66 % der Teilzeitbeschäftigten von ihrer Arbeit nicht leben können, bei Frauen sind es 70%. 50 (44,2%)hauptberufliche BibliothekarInnen mit 40 Stunden Zeitverpflichtung sind mit dieser Stundenzahl zufrieden. 14 Vollzeitbeschäftigte würden lieber kürzer arbeiten (2038 Std.). Von 48 Teilzeitbeschäftigten wollen nur 12 (25%) einen Vollzeitarbeitsplatz, 36 (75%) sind mit ihrer Teilzeitbeschäftigung zufrieden.

Grafik 8

Grafik 8
Vollzeit: 65 (57,5%) männlich: 21 (32,3%) weiblich: 44 (67,7%)
Teilzeit: 48 (42,5%) männlich: 4 (8,3%) weiblich: 44 (91,7%)

Grafik 9

Grafik 9
Von den 48 Teilzeitkräften können 32 (66,7%) von dieser Beschäftigung allein nicht den Lebensunterhalt bestreiten, 16 (33.3%) schon,

Grafik 10

Grafik 10
von 44 weiblichen Teilzeit-BibliothekarInnen sind es 31 (70,5%), nur 13 (29,5%) Frauen können von ihrer Arbeit in der Bücherei leben.

Wissenschaftliche und Fachbibliotheken: gesamt 49 Bögen

49 Bögen aus wissenschaftlichen und Fachbibliotheken sind nicht viel, die Aussagekraft daher eher gering. Auch hier gibt es mit fast 40% viele KollegInnen, die mit ihrer Berufsarbeit allein nicht den Lebensunterhalt bestreiten können, trotzdem wollen/müssen fast 60% in Teilzeit bleiben; bei weiblichen Teilzeitkräften sind es sogar fast zwei Drittel, die von ihrer Arbeit in der Bibliothek allein nicht leben können. 9 Teilzeitbeschäftigte wollen bei Ihrer Stundenzahl bleiben, 5 würden gerne länger arbeiten. Von den 27 Vollzeitbeschäftigten sind 21 mit ihrer Situation zufrieden, 3 würden gerne weniger Stunden arbeiten.

Grafik 11

Grafik 11
männlich: 15 (30,6%) weiblich: 34 (69,4%)

Grafik 12

Grafik 12
Vollzeit: 27 (55,1%) männlich: 10 (37%) weiblich: 17 (63%)
Teilzeit: 22 (44,9%) männlich: 5 (22,7%) weiblich: 17 (77,3%)

Grafik 13

Grafik 13
Von den 22 in Teilzeit Arbeitenden hätten 9 (40,9%) gerne einen Volltzeit-Arbeitsplatz, 13 (59,1%) wollen in Teilzeit bleiben,

Grafik 14

Grafik 14
Von den 22 Teilzeitbeschäftigten können 15 (68,2%) von Ihrer Arbeit nicht den Lebensunterhalt bestreiten, 6 (27,3%) schon, 1 (4,5%) Person machte keine Angabe.

Grafik 15

Grafik 15
Von 17 weiblichen Teilzeitbeschäftigten können 11 (64,7%) den Lebensunterhalt nicht bestreiten, 5 (29,4%) schon, 1 (5,9%) Person machte keine Angabe.

Für vertiefende Informationen schreiben Sie bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Anmerkungen:

Ehrenamtliche BibliothekarInnen an Öffentlichen Büchereien

Seit Jahren bemühen sich meine Kollegin und ich um mehr bezahlte Stunden genehmigt zu bekommen. Leider ohne jeglichen Erfolg. Die Situation, die sich uns daher stellt: Ausweichen auf andere zusätzliche Jobs um davon leben zu können. Ein einheitliches Bibliotheksgesetz würde uns sehr gelegen kommen.“

Wir sind in unserer Gemeindebücherei (Gemeinde mit 1.100 Einwohnern, hauptsächlich Pendler, ca. 2.600 Bücher und Spiele) fünf ehrenamtliche Mitarbeiter, die alle im Berufsleben stehen. Fortbildungen und Tagungen finden fast nur mehr während der Arbeitswoche statt. Für diese Tage Urlaub zu nehmen ist fast unmöglich, daher leidet die Fortbildung.“

All die Arbeit, die ich zu Hause für die Bücherei arbeite, könnte ich in der Bücherei machen und wäre für die Kunden da.“

Unsere Bibliothek (Betriebsbibliothek) ist sehr klein, hat kaum finanzielle Mittel und keinen eigenen Raum, So ist es schwer, ein attraktives Angebot zu bieten.“

Ich finde es sehr schade, dass das österreichische Bibliothekswesen leider auf sehr wackeligen Beinen steht. Wenn man sich umsieht muss man bemerken, dass der Altersdurchschnitt der Mitarbeiter/innen konstant steigend ist. Wir in [.…] haben Mühe bzw. keinen Erfolg bei der Suche nach weiteren MitarbeiterInnen … In Gesprächen mit KollegInnen aus anderen Bibliotheken habe ich erfahren, dass wir leider nicht die einzigen mit diesen Problemen sind. … Hier muss endlich einmal die Politik 1.) bessere Akzeptanz für unsere qualitätsvolle Bildungsarbeit schaffen und 2.) die Träger verpflichten, die Bibliothekarinnen auch … zu entlohnen und 3.) die Republik Österreich sich öffentlich per Gesetz und auch dessen Durchsetzung sowohl im finanziellen Bereich als auch politisch zu seinem trotz allem noch funktionierenden Bibliothekswesen bekennen. Ich bin kein negativer Mensch, aber was das Öffentliche Bibliothekswesen anbelangt sehe ich schwarz, wenn es so weiter ginge! Die Augen wurden schon lange genug vor diesem Problem geschlossen; hiermit meine ich nicht nur die Politik, sondern auch den BVÖ!!!!“

Das umfangreiche Aufgabengebiet einer Bücherei würde unbedingt eine Vollzeitkraft erfordern. Damit könnten Leseförderung, sozial-integratives Arbeiten, gezielte Leserberatung und Veranstaltungen wunderbar abgedeckt werden.“

Insgesamt wird im Büchereibereich die Leistung von Ehrenamtlichen immer noch zu wenig wahrgenommen. Insbesondere jene Aufgaben, welche außerhalb des ‚ordentlichen’ Dienstes bzw. der Öffnungszeiten erledigt werden… Eigentlich insgesamt ein bekanntes Phänomen, wie es auch generell in der mangelnden Würdigung von Erziehungs– und Familienleistungen oder der Angehörigenpflege zum Vorschein kommt … Besonders Frauen bringt dies in eine prekäre Lage. Spätestens in der Pension zeigt sich dann, dass lebenslanges Engagement, zahllose geleistete Stunden, welche die Volkswirtschaft stützen, nur in eine Richtung geführt haben: in die Altersarmut …“

Gäbe es in Oberösterreich mehr adäquat bezahlte Vollzeit-Stellen im Bibliotheksbereich, würde ich vermutlich in diesem Berufsfeld auch hauptamtlich arbeiten.“

Nebenberufliche BibliothekarInnen an Öffentlichen Büchereien

Meine Hauptbeschäftigung ist in der Verwaltung einer Marktgemeinde. Die öffentliche Bücherei ist einen Stock höher angesiedelt und es wird die Zeit für die Bücherei nach Bedarf einfach genommen. [Die] 5 [angegebenen] Stunden sind reine Öffnungszeit.“

Ich werde zwar für die Arbeit in der Bücherei bezahlt, aber muss immer wieder dafür kämpfen, dass ich diese Zeit auch nehmen darf. Büchereiarbeit wird als unnötig angesehen.“

Hauptberufliche BibliothekarInnen an Öffentlichen Büchereien

Da ich schon in Altersteilzeit bin, passt mir diese Situation [teilzeitbeschäftigt, 19,2 Stunden pro Woche] sehr gut. Ich mache allerdings viele ehrenamtliche Stunden dazu, da eine Bücherei in unserer Größenordnung mit über 100 Veranstaltungen nicht unter 25 Wochenstunden zu managen ist …“

… Anfangs, als meine Kinder klein waren, haben mir 15 Stunden die Woche gereicht, aber jetzt könnte ich, schon aus finanziellen Gründen, mehr Stunden gebrauchen.“

ich arbeite deshalb teilzeit, weil ich finde, dass (frei)zeit eines der wichtigsten dinge im leben ist – und da ich altersmäßig noch seeeehr weit entfernt von der pension bin (wer weiß, auf welche altersgrenze sich das bis dahin noch verschiebt) schaue ich, dass ich mir diese zeit für mich jetzt schon nehmen kann …“

Alle Arbeitsstunden, die zusätzlich ehrenamtlich für Veranstaltungen, Homepage-Betreuung usw. geleistet werden, sollten ebenfalls durch Bezahlung anerkannt werden.“

30 Stunden sind für mich in Ordnung; gut wäre die Möglichkeit, auf die vollen Pensionsbeiträge aufzahlen zu können, um später weniger zu verlieren.“

Ein Vollzeitarbeitsplatz müsste Zeit zum Lesen beinhalten.“

Der Dienstvertrag über 20 Stunden wird leider – trotz Ansuchen meinerseits – nicht erhöht. Die Arbeit ist aber sehr wohl mehr geworden. Das hat zu Burn-out bei meiner Kollegin (Leiterin) geführt und Mobbing mir gegenüber. Sodass ich … letztes Jahr lange krank war. Also keine befriedigende Situation.“

Die Bücherei wird hauptamtlich (bezahlt) geleitet, der Verleih mit mehreren ehrenamtlichen MitarbeiterInnen abgedeckt. Diese Konstellation – bezahlte und unbezahlte Arbeit – ist oft schwierig zu handhaben, nur mit viel Fingerspitzengefühl.“

Die Belastungen (Personalmangel, zusätzliche Aufgaben, erweiterte Öffnungszeiten, Betreuung immer mehr EDV-Geräte, Lärmstress, kein Rückzugsort, nichts in Ruhe erledigen können, oft unterbrochen werden oder mehrere Dinge gleichzeitig machen müssen) haben in den letzten Jahren so zugenommen, dass ich aus gesundheitlichen Gründen gerne von 40 auf 30 Stunden reduzieren würde …“

Es gibt eine Ersatzkraft, welche die 9 Öffnungsstunden hält, wenn ich im Urlaub bzw. verhindert bin … Diese Konstruktion krankt aber einerseits am Kommunikationsmangel – wir sind in der Regel nie gleichzeitig in der Bücherei, das wird nur in begründeten Fällen genehmigt, andererseits fehlt dadurch völlig die Möglichkeit einer Teambildung …“

Es wäre ein Gebot der Stunde, würde die derzeitige breite Bildungsdebatte genützt, um nach der begrüßenswerten Erklärung des Parlaments tatsächlich ein österreich-weites Bibliotheksgesetz zu erarbeiten. … Öffentliche Bibliotheken geben m.E. die Chance, mit geringen Mitteln 
a) Bildungsgefälle zwischen Stadt und Land wirkungsvoll auszugleichen, 
b) unterschiedliche Alters-, Bildungs-, Religions– … gruppen in spannungsfreien Kontakt zu bringen und 
c) schließlich mit offenen Sinnen das zu bringen, was gerade hier gebraucht wird.
Ich kenne keinen besseren Weg, der Gefahr der Vereinsamung in der kommenden Informationsgesellschaft gegenzusteuern … In finanzieller Hinsicht würde die Harmonisierung aller bereits vorhandenen Ausbildungswege zu einem intelligenten Modulsystem und die Zusammenführung aller Förderungen … in einen übersichtlichen und bedarfsorientierten Finanzierungstopf mehr bringen und weniger kosten als erwartet.“

Wir sind alle drei Angestellte der Stadtgemeinde mit unterschiedlichen Stundenzahlen und natürlich machen auch wir mit fast voller Stundenanzahl ehrenamtliche Stunden … sonst hätten wir so viele Zeitausgleich-Stunden, dass dann erst recht keiner mehr in der Bücherei wäre …“

Die Bibliothek in unserer Größenordnung zu betreiben, sind 1,5 Arbeitsplätze gerade ausreichend. Deshalb hat man hier immer das Gefühl, zu wenig zu tun, obwohl ich um die 60 Stunden für die Bibliothek arbeite [Dienstverpflichtung: 30 Stunden] … Die Entlohnung erfolgt auf dem untersten Niveau, laut unserer zuständigen Stadträtin unterhalb dessen, was die Raumpflege verdient … Die Situation … legt nahe, dass BibliothekarIn ein eigenständiger Berufszweig sein soll mit eigener Standesvertretung innerhalb der Gewerkschaft … Die BibliothekarInnen sollen Angestellte der Stadt-regierung sein oder des Landes oder des Bundes, jedoch ihre Arbeit in Eigenverant-wortung verrichten können …“

BibliothekarInnen an wissenschaftlichen und Fachbibliotheken

Ich hätte gerne eine fixe Anstellung (seit Jahren freie Dienstnehmerin). Ich denke, Umgehungsverträge und atypische Beschäftigungsformen nehmen auch in unsere Branche leider zu.“

Ich bin freie Dienstnehmerin: In meinem Vertrag werden gesetzliche Feiertage z.B. als Minusstunden gerechnet, weiters habe ich weder Anspruch auf Krankenstand noch auf Urlaub. D.h. fällt ein Feiertag auf einen Tag an dem ich normalerweise arbeite oder werde ich an einem Tag krank an dem ich normalerweise arbeite, weist mein Stundenkontingent ein Minus auf und ich muss die Stunden einarbeiten, was zum Beispiel in der Weihnachtszeit/Silvester durchaus eine große Menge an Minusstunden sein kann. Diese Regelung halte ich für unangemessen und ich denke, dass hier Änderungen durchgeführt werden sollten, da sich, so weit ich weiß, viele studentische MitarbeiterInnen in einem freien Dienstverhältnis befinden.“

Beruf BibliothekarIn hat sich gewandelt: InfovermittlerIn, Kundendienst, technische Kenntnisse… Dienstgeber meint meist, dass ein zusätzlicher Computer ‚alles’ löst. Arbeitsanforderungen steigen und die Kollegenschaft ist darauf nicht wirklich vorbereitet (Weiterbildung wäre halt nicht nur fachlich wichtig). Kommunikationskurse!!! Burn-out-Rate hoch!“

Gott sei Dank werde ich nicht nach dem neuen Kollektivvertrag entlohnt, denn da würde ich für die gleiche Arbeit weniger bezahlt bekommen …“

Meine jüngeren KollegInnen warten an unserer UB seit etwa 10 Jahren auf eine – immer wieder angekündigte – Bibliothekarsausbildung vor Ort …“

Als … darf ich mitteilen, dass sich unsere Belegschaft in 10 Jahren sehr verändert hat – zwei Drittel Angestellte und ein Drittel Ex-VB bzw. Beamte, dazu immer mehr geringfügig Beschäftigte, PraktikantInnen und Projekt-mitarbeiterInnen mit befristeten Verträgen oder von anderer Stelle bezahlt. Der Satz in der Vorrede zu dieser Umfrage, dass in den wissenschaftlichen Bibliotheken das Personal überwiegend beamtet sei, ist nicht richtig! Die Fluktuation hat zugenommen (prekär oder befristet)… Da für jede ausgeschriebene Stelle viele Bewerbungen eingehen, können die Löhne niedrig gehalten werden. Die Zunahme der Teilzeitdienstverhältnisse ist enorm. Ein starker Betriebsrat entwickelt Aktivitäten im Sozialen und im Gesundheitsvorsorgebereich, schließt Betriebsvereinbarungen ab, die das Arbeitsklima verbessern – vereinzelt kommt es dennoch zum Ausfall von KollegInnen, weil die Arbeitslast von beamteten KollegInnen, die in den Ruhestand treten, auf immer weniger KollegInnen verteilt wird, die bereits angestellt sind und sich sehr mit der Dienststelle identifizieren. Dazu kommt in allen diesen Häusern, … dass die Sparstrategien sich häufig auf die Belegschaftszahlen auswirken …“