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Mehr als 30 Jahre KRIBIBI

Bericht für die Büchereiperspektiven des Büchereiverbandes Österreichs (2013)

Ursprünglich als Arbeitsgemeinschaft fortschrittlich gesinnter VerlegerInnen, BuchhändlerInnen und BibliothekarInnen gedacht, waren es schlussendlich letztere, die im Frühjahr 1983 den „Arbeitskreis kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare (KRIBIBI)“ bei einem dreitägigen Wochenendseminar nach dem Modell der Zukunftswerkstatt von Robert Jungk ins Leben riefen. Seit damals begleitet KRIBIBI kritisch die Entwicklung des österreichischen Bibliothekswesens.

Der Arbeitskreis ist nicht als Verein organisiert, sondern eine Plattform für alle im BID-Bereich Tätigen mit fortschrittlichem gesellschaftspolitischem Anspruch. Obwohl wir dankenswerter Weise vom Karl-Renner-Institut der SPÖ unterstützt werden, spielt Parteizugehörigkeit bei uns keine Rolle. Wichtig ist uns allerdings mit Personen zusammenzuarbeiten, die Bibliotheksarbeit als gesellschaftspolitische Aufgabe verstehen und das Bibliothekswesen offener, demokratischer, egalitärer und für die Bevölkerung leichter zugänglich machen wollen.

In den ersten Jahren waren es vor allem KollegInnen aus Öffentlichen Büchereien, die unsere Basis bildeten, seit Mitte der 90er-Jahre kommen zunehmend auch BibliothekarInnen aus Wissenschaftlichen Bibliotheken und SchulbibliothekarInnen zu unseren Veranstaltungen. Anlass für diese Öffnung waren die Bemühungen KRIBIBIs für die Errichtung einer Fachhochschule für Informationsberufe, die uns in Kontakt mit ArchivarInnen, DokumentarInnen und wissenschaftlichen BibliothekarInnen brachten. Ein Ergebnis war die Gründung des „Vereins zur Förderung der Errichtung einer Fachhochschule für Informationsberufe (FIB)“, in dem alle BID-Berufe vertreten waren. KRIBIBI ist stolz darauf, an der Gründung des Studienganges in Eisenstadt beteiligt gewesen zu sein.

KRIBIBI ist die einzige österreichische Vereinigung, die das gesamte Bibliothekswesen im Blickfeld hat. Während der Büchereiverband Österreichs (BVÖ) ausschließlich die Interessen der Öffentlichen Büchereien zu vertreten hat und in der VÖB (Vereinigung österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare) – bis auf wenige Ausnahmen – vor allem KollegInnen aus Wissenschaftlichen Bibliotheken organisiert sind, versucht KRIBIBI eine Brücke zwischen den getrennten Sparten und auch zu den Schulbibliotheken zu schlagen. Dementsprechend sind auch unsere Ziele formuliert (http://www.kribibi.at/ueber/ziele).

Diese Ziele resultieren einerseits aus den eklatanten Mängeln, die das österreichische Bibliothekswesen – auch im Vergleich mit den meisten anderen europäischen Ländern – aufweist, andererseits aus gesellschaftspolitischen Überzeugungen. In unserer nach neoliberalen Prinzipien ausgerichteten Gesellschaft werden immer mehr öffentliche Einrichtungen und Güter privatisiert oder Marktprinzipien untergeordnet. KRIBIBI setzt sich im Gegensatz dazu für Gleichheit und Barrierefreiheit im Zugang zu Information, Wissen, Bildung und Kultur ein. Wir sind der festen Überzeugung, dass im Sinne einer gerechteren Gesellschaft öffentlich nutzbare und gesellschaftlich notwendige Einrichtungen, die allen Menschen gleichermaßen zur Verfügung stehen sollen, von der Öffentlichen Hand ausgebaut, nach demokratischen Prinzipien weiterentwickelt und mit ausreichend finanziellen Mitteln ausgestattet werden müssen.

Konkret bedeutet das u.a., dass wir uns mit der Ausgliederung von öffentlich zugänglichen Bibliotheken (wie der Nationalbibliothek) und deren Unterwerfung unter privatwirtschaftliche Regeln nicht anfreunden können. Die in der „Vision 2025“ angedachte künftig ausschließliche Speicherung der digitalen Version von Büchern ist nur ein Beweis dafür, zu welchen Auswüchsen es führt, wenn Kostenreduktion die vorherrschende Maxime ist. Auch die Einführung von Public-Private-Partnership-Modellen zum Beispiel mit Google bei der Digitalisierung von Beständen findet nicht unsere Zustimmung.

Im Bereich der Öffentlichen Büchereien sind wir der Auffassung, dass es eine gesetzliche Verpflichtung für Kommunen ab einer noch zu definierenden Größe geben muss, eine Öffentliche Bücherei einzurichten und mit fix angestellten BibliothekarInnen zu betreiben. Es kann nicht sein, dass in vielen Ortschaften Pfarrbüchereien (die per definitionem einer ideologischen Absicht unterliegen) die einzige Möglichkeit zur Literatur– und Informationsversorgung bieten. (Das bedeutet nicht – ich betone das ausdrücklich! – dass wir Pfarrbüchereien etwa abgeschafft haben wollen, doch sie sollten nur ein Zusatzangebot sein.)

Zur Verbesserung und Weiterentwicklung der österreichischen Bibliotheken und Büchereien fordern wir die Gründung eines Instituts für Forschung, Entwicklung und Beratung. Dieses soll in gemeinsamer Initiative von Bund, Ländern, Kommunen und Bibliotheksverbänden als strategisches Instrument eingerichtet werden.

Die in der bibliothekarischen Öffentlichkeit am stärksten wahrgenommene Aktivität von KRIBIBI ist die Veranstaltung von Seminaren. Die Themen dieser Tagungen sind weit gestreut, manchmal haben sie eher den Charakter einer Fortbildung, sehr oft aber greifen sie Fragestellungen auf, die auch gesellschaftspolitische Relevanz haben (http://www.kribibi.at/aktivitaeten/seminare). In den letzten Jahren beschäftigten sich diese mit den UrheberInnenrechten (2013), der Kommodifizierung von Wissen und Information (2012), ehrenamtlichen und prekären Arbeitsverhältnissen in Bibliotheken (2010) oder heuer mit dem bibliothekarischen Berufsbild.

Doch mit der Planung und Organisation von Seminaren ist es bei KRIBIBI nicht getan:

  • 2002 richteten wir eine internationale Konferenz der „Progressive Librarians Around The World“ aus, die gegenseitiges Kennenlernen und Austausch von Positionen zum Inhalt hatte

  • Stellungnahme zur geplanten Urheberrechtsnovelle
  • Verteilung von dem Ehrenamt gegenüber kritischen Flugblättern, gemeinsam mit unabhängigen GewerkschafterInnen, vor dem Eingang zur Freiwilligenmesse im Oktober 2012
  • Offener Brief an die Abgeordneten zum Nationalrat mit der Bitte, das gesamte österreichische Bibliothekswesen einer einheitlichen Regelung zuzuführen und eine weitere Vertiefung des Grabens zwischen Wissenschaftlichen und Öffentlichen Bibliotheken durch den „Masterplan für Öffentliche Büchereien“ nicht zuzulassen
  • Umfrage unter BibliothekarInnen aller Sparten zur Zufriedenheit mit der beruflichen Situation, wobei vor allem die Beschäftigungsverhältnisse Thema waren
  • KRIBIBI initiierte und organisierte gemeinsam mit anderen fortschrittlichen Kräften Anfang 2014 eine internationale Konferenz zu Informationsfreiheit in Wien, an der knapp 300 Menschen aus ganz Europa teilnahmen http://freedom-of-information.info/
  • Im Frühjahr 2014 lud KRIBIBI VertereterInnen aus allen Bibliothekssparten sowie bibliothekarischen Verbänden und zentralen Stellen zu einem Gedankenaustausch über Probleme des österreichischen Bibliothekswesens. Nach übereinstimmender Meinung der TeilnehmerInnen sollte diese Initiative weitergeführt werden. Mittlerweile hat sich die Gruppe als Plattform „Perspektiven des österreichischen Bibliothekswesen“ etabliert http://plattform-bibliotheksperspektiven.at/
  • Last but not least möchte ich erwähnen, dass mit KRIBIBI verbundene wissenschaftliche und öffentliche BibliothekarInnen wesentlich an der inhaltlichen Gestaltung der „Bibliotheksinitiative Österreich“, des Bibliotheksprogramms der SPÖ, beteiligt waren

KRIBIBI wird auch in den nächsten Jahren weiterhin für ein einheitliches und gemeinsames österreichisches Bibliothekswesen auf der Basis eines gemeinsamen Gesetzes eintreten. Je mehr Kolleginnen und Kollegen sich dieses Ziel zu Eigen machen und unterstützen, desto weniger kann es bei politischen EntscheidungsträgerInnen als auch innerhalb der Verbände VÖB und BVÖ überhört werden. Daher freuen wir uns über jeden neuen Kontakt!

Nikolaus Hamann
www.kribibi.at
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