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Geschichte

Die Entstehung des Arbeitskreises kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare im Renner-Institut (KRIBIBI) ist vor allem Heinz Kommenda zu verdanken. Kommenda ist gelernter Buchhändler und war im sozialdemokratischen Bildungsbereich tätig: bei der „Österreichischen Gesellschaft für Kulturpolitik“, lange Jahre als Bundesbildungssekretär der SPÖ und zuletzt im Dr. Karl Renner Institut. Aus seiner Buchleidenschaft, verbunden mit seinem politischen Engagement, hat er eine Idee entwickelt, für die ihm die „Arbeitsgemeinschaft der Verleger, Buchhändler und Bibliothekare“ in der „Friedrich-Ebert-Stiftung“ Vorbild war. Deren Wurzeln reichen bis in die Weimarer Republik zurück. Kommenda wollte für Österreich etwas Ähnliches initiieren: eine fortschrittliche Plattform von in verschiedenen Buchberufen Tätigen.

Heinz Kommenda hat diesem Projekt den Namen „Max-Winter-Kreis“ gegeben, benannt nach dem sozialdemokratischen Journalisten der Arbeiter-Zeitung (der hervorragende kritische Sozialreportagen geschrieben hat), Mitgründer der Wiener Kinderfreunde sowie Wiener Vizebürgermeister in der Ersten Republik. Im Herbst 1982 gab es eine Auftaktveranstaltung, aber in der Folge ist leider keine kontinuierliche Beteiligung der Buchhändler und Verleger zustande gekommen. Die BibliothekarInnen haben aber die Chance genutzt und im Frühjahr 1983 ihr erstes Treffen in Form eines dreitägigen Wochenendseminars im Renner-Insti tut abgehalten, bei dem TeilnehmerInnen aus ganz Österreich zusammengekommen sind. Im selben Jahr hat sich der Kreis den Namen „Arbeitskreis kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare im Renner-Institut (KRIBIBI)“ gegeben, der bis heute Bestand hat.

In der Konstituierungsphase wurde sehr viel auf Grundlage des Modells der Zukunftswerkstatt von Robert Jungk entwickelt, ein kreatives Brainstorming, das auf den drei Phasen Kritik, Phantasie und Realisierung aufbaut. Dabei wurde schnell klar, dass das Bekenntnis zu sozialer Bibliotheksarbeit ein zentraler Bestandteil der KRIBIBI-Identität ist. Bibliothek wurde und wird als sozialer Ort verstanden, in dem vielfältigen Interessen Platz gegeben werden soll. Bibliotheken sind Lernorte und Kommunikationszentren sozialer Integration und interkultureller Begegnung.

In den Anfangsjahren hat sich KRIBIBI ausschließlich aus BibliothekarInnen von öffentlichen Bibliotheken rekrutiert, und so war die Arbeit damals auf öffentliche Bibliotheken (früher Volksbüchereien) ausgerichtet. Das hat sich mittlerweile geändert, jetzt wird der Arbeitskreis auch von wissenschaftlichen BibliothekarInnen mitgetragen.

Bei KRIBIBI hat die Konzeptarbeit immer eine große Rolle gespielt. Schon im Jahr 1988 erarbeiteten wir ein Konzept für ein Bibliotheksgesetz. Leider sind bis heute alle Anläufe zu einem Bibliotheksgesetz erfolglos geblieben, und es wird auch weiterhin nicht leicht sein, die Öffentliche Hand dafür zu sensibilisieren.

Im Jahr 1992 entwickelten wir ein Ausbildungskonzept für eine Fachhochschule für Informationsberufe, wodurch eine stärkere Professionalisierung des Berufs werden sollte. Das brachte uns in Kontakt zu wissenschaftlichen BibliothekarInnen und anderen Informationsberufen wie DokumentarInnen und ArchivarInnen. Ein Resultat war die Gründung des „Vereins zur Förderung der Errichtung einer Fachhhochschule für Informationsberufe (FIB)“, in dem alle BID-Berufsgruppen vertreten waren. Seit 1997 gibt es in Eisenstadt einen Fachhochschul–Bachelorstudiengang Information, Medien & Kommunikation (früher Informationsberufe). Leider ist im Lauf der Jahre das Bibliothekswesen immer mehr aus dem Fokus der Studiengangsverantwortlichen hinausgerutscht, so dass der FH-Studiengang heute keine speziell für Bibliotheken ausgebildete Fachkräfte mehr hervorbringt.

Was die politische Umsetzung unserer Ziele betrifft, sind uns durch den Standort im Renner-Institut viele Möglichkeiten offen gestanden, uns in die Sozialdemokratie einzubringen und dort Verbündete für die Durchsetzung unserer Forderungen zu gewinnen. Das war vor allem in der Erwachsenenbildungkommission der SPÖ der Fall, wo wir vertreten sind. Zu nennen ist auch die langjährige Kooperation mit dem früheren parlamentarischen Bildungssprecher der SPÖ Erwin Niederwieser. Ein Erfolg dieser Zusammenarbeit war das Bibliotheksprogramm der SPÖ aus dem Jahr 2006 – die „Bibliotheksinitiative Österreich“ – deren   Forderung nach einem Bibliotheksentwicklungskonzept Eingang in die Regierungsprogramme 2007 und 2008 gefunden hat. Niederwiesers Interesse für Bibliotheken wird von der jetzigen parlamentarische Kultursprecherin der SPÖ Sonja Ablinger fortgesetzt.

Neben den Bestrebungen von KRIBIBI nach Vernetzung im bibliothekarischen Bereich sowie im Bildungsbereich der SPÖ führten wir immer wieder Aktionen und Veranstaltungen durch, so 1993Büchereien brauchen Verbündete“ (eine Postkartenaktion), von 1999 bis 2002 Abendveranstaltungen zu verschiedenen bibliotheksrelevanten Themen, 2002 eine Aktion gegen die Schließung der Förderungsstellen für Erwachsenenbildung (und der dadurch betroffenen Büchereistellen) durch die ÖVP-Unterrichtsministerien Elisabeth Gehrer, 2003 gegen die Schließung der Lehrlings– und Spitalsbüchereien in Wien und 2004 gegen Bibliotheksschließungen überhaupt..

Der jährlich vergebene „Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch“ war 1993 durch Heinz Kommenda nach dem Vorbild des Preises der Friedrich Ebert-Stiftung initiiert worden. KRIBIBI erhielt einen Sitz in der Jury zugestanden und kann dadurch an der Vergabe dieses renommierten Buchpreises mitwirken.

Von der Gründung bis 2009 übten Maria Wolf, Hans Kmiecik und Heimo Gruber jeweils die Funktion einer KRIBIBI-Koordinatorin beziehungsweise –Koordinators aus. Im November 2009 übernahm eine jüngere Generation die Verantwortung. Dieses neue Organisationskollektiv, bestehend aus Monika Bargmann, Birgit Kramreither, Anna Schubert, Jana Sommeregger, Sandra Sparber und Nikola Staritz, wird durch Vorbereitungsgruppen mit wechselnder personeller Zusammensetzung für einzelne Wochenend-Seminare ergänzt.

Nachdem drei der sechs neuen Koordinatorinnen ihre Aufgabe aus beruflicher Überlastung sehr bald wieder beenden mussten, und auch die verbliebenen drei im Herbst 2011 ankündigten, nicht mehr zur Verfügung zu stehen, fand im November 2011 statt des üblichen Seminars eine Krisenklausur statt. Da sich auch bei dieser Klausur niemand bereit erklärte, die Koordination des Arbeitskreises zu übernehmen, stand KRIBIBI unmittelbar vor dem Aus. In dieser schwierigen Situation fanden sich mit Maria Binder, Ulrike Retschitzegger und Nikolaus Hamann doch noch drei langjährige KRIBIBI-AktivistInnen zur Weiterführung bereit und versuchen jetzt einen neuen Auftritt. Eine der wichtigsten Aufgaben wird sein, neue und jüngere KollegInnen mit dem Arbeitskreis vertraut zu machen und damit für Kontinuität und gleichzeitig neuen Schwung zu sorgen.

(Von Nikolaus Hamann unter Verwendung des Manuskripts für einen Vortrag im Institut für Wissenschaft und Kunst von Heimo Gruber und Ambros Wernisch)