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Nachruf Nikolaus Hamann

Büchereien Wien

Nachruf Regina Jank, Regionalleiterin Büchereien — Wien Nordost

In seinem Abschiedsmail an die Kolleginnen und Kollegen der Büchereien Wien am 28.Juni 2016 dankte Nikolaus Hamann allen, deren Freundschaft er genießen durfte. Er war in seiner Zeit bei den Büchereien  – das waren auf den Tag genau 25 Jahre – nicht immer leise, denn er war überzeugt, dass die Forderung nach innerbetrieblicher Demokratie es auch mit sich bringt mit der eigenen Meinung nicht hinter dem Berg zu halten. Und das hat er auch nie getan! Die Kolleginnen und Kollegen erinnern sich noch gut an seine Wortmeldungen im allgemeinen Kurs,  Wortmeldungen, in denen er zwar kritisch aber sehr wohl auch berechtigt in der Sache nachgefragt hat. Mit ihm geht nun eine wichtige Stimme verloren!
Nikolaus Hamann begann am 1.Juli 1991 in der Bücherei Billrothstraße in Döbling zu arbeiten und war dort auch sechs Jahre stellvertretender Leiter, in dieser Zeit plante er eigenständig die Einrichtung anlässlich der Büchereirenovierung und entwickelte ein Leit– und Beschriftungssystem. Von 1998 bis 2003 war er in der Bücherei Mauer in Liesing  tätig, deren Einrichtung er ebenfalls mitgeplant hatte und die er zur Veranstaltungsbücherei ausbaute mit regelmäßigen Programmen  wie „Literatur und Musik“, ebenso machte er dort monatliche Buchausstellungen zu Literatur-gedenktagen. Nachdem diese Bücherei -  wie auch die anderen in Liesing –zu einer gemeinsamen großen zusammengelegt wurden, war er ab 13.10.2003 in der Bücherei Margareten aktiv. Und vier Jahre später im Oktober 2007 kam er in die Donaustadt in die Bücherei Aspern. Dort baute er den Schwerpunkt Klassische Musik sowie Jazz auf, er war verantwortlich für die Kindergarten– und Klassenbesuche und betreute in der integrativen Lehrausbildung ein Büchereilehrmädchen. Als Unterstützung erstellte er dafür eine Mappe mit Einschulungsunterlagen und „Prüfungsaufgaben“, die helfen, sämtliche Anforderungen der Büchereiarbeit zu verstehen. Seit 2013 arbeitete er zusätzlich auch in der Filmbegutachtungs-kommission der Media Wien mit. Besonders hervorzuheben ist, dass er von 1.7. bis 19.10.2014 sehr kurzfristig, fast von einem Tag auf den anderen,  interimistisch die Leitung der Bücherei Großfeldsiedlung in Floridsdorf übernahm. Herr Hamann schulte zusätzlich noch eine neue Mitarbeiterin für diese Zweigstelle ein und half auch der neuen Leitung sich gut einzuleben.
Bei den öffentlichen Büchereien war Nikolaus Hamann genau dort angekommen, wo er schon früher hinwollte. Bereits als Student hat er in der Bibliothek der Akademie der Bildenden Künste als Karenzvertretung gearbeitet. Er war danach für einige Jahre als Lehrer tätig aber er nützte sofort die Gelegenheit diesen Beruf gegen den eines Bibliothekars zu tauschen, als sich ihm nach einigen Bewerbungen  endlich die Chance dazu bot.
Nikolaus Hamann bewies in all den Jahren dieser Tätigkeit seine große Belastbarkeit und enorme Flexibilität sowie auch seine Kommunikationsfähigkeit und sein Organisationstalent. Unabhängig davon in welcher Zweigstelle unserer Institution er eingesetzt war, er fungierte dort stets als eine „tragende Säule“, die das Team stärkte und zusammenhielt. Und er war auch ein ausgezeichneter Büchereileiter, der voll hinter seinem Team stand und personelle Engpässe durch vermehrten persönlichen Einsatz auszugleichen verstand.
Die Anliegen und Wünsche seiner Leserinnen und Leser standen bei ihm stets im Mittelpunkt. Er konnte auch gleichermaßen gut mit allen Zielgruppen (Kindern, Jugendlichen, Studierenden, SeniorInnen, LeserInnen mit Migrationshintergrund und LeserInnen mit besonderen Bedürfnissen) umgehen und stellte sich hervorragend auf sein jeweiliges Gegenüber ein. In einer Zeit, in der noch nicht von KundInnenorientierung geredet wurde hat Nikolaus Hamann diese bereits auf vorbildliche Art und Weise praktiziert.
Nikolaus Hamann setzte den volksbildnerischen Auftrag jahrzehntelang mit hoher fachlicher und sozialer Kompetenz, großem Fleiß und persönlichem Einsatz um, er nahm seine Funktion als Bibliothekar einer öffentlichen Bücherei mit ausgeprägtem Verantwortungsbewusstsein, aber auch mit Offenheit gegenüber anderen Bibliothekssystemen wahr und leistete somit einen wesentlichen Beitrag für den Erfolg der Büchereien Wien. Nikolaus Hamann war stets an den neuesten Entwicklungen, die das Bibliothekswesen  betreffen, sehr interessiert und bildete sich  auf diesem Gebiet  — auch in eigener Initiative — weiter. 
Er verfasste zahlreiche Fachartikel zum Bibliothekswesen — das Thema seiner Projektarbeit anlässlich seiner Dienstprüfung lautete: „Auch eine unendliche Geschichte? Die Bemühungen um ein österreichisches Büchereigesetz“, publiziert im Sammelband „Zur Geschichte der Öffentlichen Bibliotheken in Österreich“.
Ich habe vorige Woche im Regionalforum der Region Nordost, d.i. ein Treffen von den Kolleginnen und Kollegen, die in den 11 Büchereien dieser Region arbeiten, der Region, in der Nikolaus die letzten Jahre seiner Tätigkeit aktiv war, von seinem plötzlichen Ableben erzählt. Und spontan haben die KollegInnen, die ihn jahrelang kannten, anerkennende Worte für seine Arbeit gefunden und den neuen KollegInnen, denen er nur namentlich ein Begriff war, begeistert  von ihm und seinem Engagement erzählt.  Ich weiß nicht ob es ihm so bewusst war wie sehr er von den meisten Kolleginnen und Kollegen in Wien, aber auch in den Bundesländern, geschätzt und geachtet wurde. Und viele sind heute hier um sich von ihm zu verabschieden.
So wie sich Nikolaus beim anfänglich erwähnten Abschiedsmail bedankt hatte ist es nun an uns  danke zu sagen: Danke lieber Niki, es war schön, dass  es dich in unserem Büchereileben gegeben hat. Und in unserer Erinnerung weiterhin geben wird!